10. – 13. Schuljahr

Silke Schumacher-Schlamkow

Das Drama der Freiheit

Huis Clos: mit dramenpädagogischen Mitteln Sartres Freiheitsbegriff sinnlich erfahren

Das Potenzial der dramatischen Gattung ermöglicht eine intensive und spielerisch-lustvolle useinandersetzung mit dem Text und dadurch nachhaltiges Lernen: Leerstellen können mit konkreten Details ausgefüllt, schriftlich fixierte Repliken sprecherisch gestaltet und Körpersprache sinnlich erfahrbar gemacht werden.

Dramenpädagogische Verfahren ermöglichen die vertiefende Auseinandersetzung mit Lebensentwürfen und das intensive Erfahrbarmachen von Verhaltensweisen, wie im Folgenden an den Protagonisten von Huis clos veranschaulicht wird (s. Kasten1).
1|Ablauf der Unterrichtssequenz
1|Ablauf der Unterrichtssequenz
  • I. Arbeitsteilige Erarbeitung der Rollenbiografien von Garcin, Inès, Estelle (fdt1) in Einzelarbeit, anschließend Austausch in Expertengruppen (homogene Gruppen): Ergebnisse werden verglichen und durch Textverweise legitimiert (ggf. Ergänzungen/Veränderungen) => Sicherung im Plenum (2 Stunden)
  • II. Sensibilisierung für die ‚Sprache des Theaters (fdt2)
  • Konkretisation parasprachlicher Zeichen in Einzelarbeit (fdt3)
  • doc1 dient als Ideenspeicher und sprachliche Unterstützung [Differenzierung] (1 Stunde, ggf. Fertigstellung in der HA)
  • III. Basisgruppen führen Inszenierungsgespräche: Ergebnisse (fdt3) werden ausgetauscht (in jeder Basisgruppe ist mindestens eine Expertin/ein Experte für Garcin, Inès, Estelle)
  • Theaterpraktische Übungen (doc2)
  • Probenarbeiten: gestaltendes Sprechen / szenisches Anspiel
  • (Basisgruppen proben ‚Ergebnisse der Inszenierungsgespräche)
  • Basisgruppen stellen ihre Rezeptionsweise durch das gestaltende Sprechen / das szenische Anspiel im Plenum zur Diskussion (2 Stunden)
Hierdurch werden die Lernenden für gattungsspezifische Besonderheiten sensibilisiert, sie erweitern ihre kommunikative Kompetenz „Sprechen sowie ihre methodische Kompetenz im gestaltenden Umgang mit allen literarischen Texten. Hinzu kommt die Förderung persönlichkeitsbezogener Kompetenzen, die für Lernende im Rahmen der Identitätsbildung von individuell-existentieller Bedeutung sind. Spaeth-Goes/Jauch haben zudem verdeutlicht, dass der Französischunterricht durch „langfristige und systematische Integration von Theaterelementen an Glanz und Format (in: Der Fremdsprachliche Unterricht Französisch, Heft 36, S. 4) gewinne. Konkrete Beispiele hierfür bieten die Beiträge in den Heften 111 („Theaterpraktische Methoden, 2011), 144 („Théâtre contemporain, 2016), und 156 („Lernen mit Bewegung, 2018) des Fremdsprachlichen Unterrichts Französisch.
Die Spielsituation
In Sartres dramatischem Werk dient die Spielsituation als Modell der Existenzproblematik. Dabei liegt die Parallele von Theater und existentialistischer Philosophie in dem Spielraum menschlicher Freiheit begründet: „La condition première de laction, cest la liberté. (EN, S. 477), „lhomme [] condamné à être libre (EN, S. 598). Der Mensch entscheidet darüber, ob er seine Existenz verspielt, d.h. sich seiner Situation unterwirft und sich passiv zum Spielball derselben macht, oder ob er seine Existenz spielt, d.h. die Konflikte seiner Situation löst, indem er die scheinbaren Grenzen seiner Existenz durch den freien Entwurf zu überschreiten versucht. Sartre bedient sich bei der Behandlung existentialistischer Fragestellungen dramaturgischer Termini und entwickelt seine Dramenfiguren auf der Basis seiner vom Existentialismus geprägten Konzeption des Menschen. Demzufolge ist für das vertiefte Verständnis von Sartres Dramengestalten die Kenntnis seiner existentialistischen Konzeption des Menschen hilfreich. Vor oder parallel zur Behandlung des Dramas können zentrale philosophische Überlegungen Sartres auf der Grundlage seiner Schrift Lexistentialisme est un humanisme mit den Lernenden erarbeitet werden. Auszüge aus dieser Schrift finden sich auch im Anhang der zitierten Klett-Ausgabe.
Inq...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen