6. – 13. Schuljahr

SilKe TopfHandeln mit Literatur

Kreative Umgangsformen mit literarischen Texten

Wer neben dem analytischen Textzugang auch auf handlungs- und produktionsorientierte Verfahren setzt, kann Lernende potenziell besser motivieren und aktiv handelnd in den Text hineinbringen.

Übersichten zu den Verfahren des kreativen, handlungs- und produktionsorientierten Umgangs mit literarischen Texten gibt es u.a. bei Nieweler, Surkamp/Nünning, Caspari und Jauch/Kessler. Ob das jeweilige Verfahren auf leseraktivierende Hypothesenbildung zielt oder über einen Perspektivenwechsel Fremdverstehen initiieren möchte, und ob es das durch Textsortenwechsel, Textveränderungen, -ergänzungen (durch ein Bild, einen selbst verfassten oder fremden Text, ob lyrisch oder narrativ) oder Texterweiterung (ausgehend von Teilen des Textes, auf formaler oder inhaltlicher Ebene) zu erreichen sucht immer geht es darum, die Lernenden in für sie bedeutungsvolles und ertragreiches sprachliches Handeln zu bringen. Die Verfahren können je nach Text verschieden kombiniert oder in einen größeren Lernzusammenhang bzw. eine Lernaufgabe eingebettet werden und oft entweder individuell, kooperativ sowie je nach Kompetenzschwerpunkt der Arbeit mündlich oder schriftlich angelegt werden. Abhängig vom Text und von den Präferenzen der Lesenden kann die Text-Leser-Interaktion gleichermaßen analytisch-reflexiv bzw. kommentierend (über den Text) ausgerichtet sein oder über die kreativ-produktive Ausgestaltung von Leerstellen auf der Ebene des Textes stattfinden.
Wichtig ist, dass diese Verfahren nicht im Widerspruch stehen zu textnahem, analytischem Arbeiten und dass sie dem analytischen Umgang nicht unter- oder nachgeordnet, sondern ihm jederzeit gleichberechtigt zugeordnet sind. Denn indem sie den subjektiven Zugang zum Text höher gewichten, können sie anders motivieren und Lernende aktiv handelnd in den Text hineinbringen.
Petit choix de méthodes pour faire agir les lecteurs et lectrices
Kriterium der Auswahl war die Eignung für die Auseinandersetzung mit kurzen erzählenden Texten, für die einige bekannte Verfahren weniger in Frage kommen, weil etwa die Figuren oder auch die Handlungsstränge in der Regel weniger ausgeführt sind und anders als in längeren epischen Texten eher markante Situationen als Entwicklungen erzählt werden. Durch die Skizzenhaftigkeit und erzählerische Offenheit ergeben sich teils auch andere Arten von Leerstellen als Möglichkeiten der Weiterarbeit. Die Einteilung folgt im Wesentlichen Surkamp/Nünning (2009). Je nach Text und Möglichkeiten der Lerngruppe können viele der Methoden für das Sprechen oder Schreiben ausdifferenziert werden.
Entwicklung sprach- und textbezogener, affektiver und kreativer Kompetenzen (texterschließend)
  • Textpuzzles (zu einem oder auch zwei vermischten Texten) ordnen bzw. Textcollage (aus Sätzen) erstellen und als Vorlage für eine Nacherzählung nutzen,
  • Zuordnung einer begrenzten Auswahl an (vorgegebenen oder von den Lernenden ausgewählten) Bildern, Gegenständen oder von Musik zum Text als Einstimmung oder als Vorlage für eine Nacherzählung,
  • eigene bildliche Umsetzung einer Textsituation (gegenständlich oder ungegenständlich) in eine Fotogeschichte oder Gestaltung einer Illustration, eines Umschlagbildes, einer Werbung etc.,
  • Vorgeben einer oder mehrerer phrases-clés du récit en question mit der Aufgabe sie in einen eigenen Text zu verarbeiten. Variante: Tandems diskutieren einen Satz ihrer Wahl in einer Conversation promenade,
  • Nacherzählung anhand von mots-clés oder phrases-clés oder über die Stichwortzettel-Methode (so viel zeichnen wie gewünscht, aber nur fünf expressions),
  • la chasse au trésor: jeweils Anfang und Ende (jeweils etwa 10 Zeilen) einer Reihe von kurzen Texten zusammenstellen und auf Karten kleben (zwei Farben für Anfang oder Ende), dazu eine Übersicht mit den Titeln aller Texte vorbereiten. Jeder Lernende erhält eine Karte, die er liest und zu der er individuell notiert,...

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