10. – 11. Schuljahr

Markus Buschhaus

Culture matérielle et imaginaire familial

Auf den Spuren von Familiengeschichten

Familiengeschichten werden häufiger gehört als gelesen. Anlass sind oft Alltagsgegenstände, anhand derer sie anschaulich und begreiflich werden. Beste Voraussetzungen also, um das Hör- sowie das Sehverstehen, aber auch das Leseverstehen gezielt zu schulen.

Ton grand-père dans un musée, frohlockte das Musée de lHistoire de limmigration 2013 in einer groß angelegten Werbekampagne. Damit waren freilich weder ein Ausstellungsbesuch mit der Familie gemeint noch die museale Zurschaustellung sterblicher Überreste oder gar lebendiger Menschen, wie sie die auf die Exposition coloniale von 1931 zurückgehende Örtlichkeit vielleicht hätte nahelegen können (vgl. Kasten1). Vielmehr wurde damit metonymisch die Einrichtung der Galerie des dons beworben, in der individuelle Familiengeschichten anhand ganz persönlicher Gegenstände ausgestellt und erzählt werden.1
Le Musée de lHistoire de limmigration
Le Musée de lHistoire de limmigration
Le Musée de lHistoire de limmigration, inauguré en tant que tel en 2012, est un musée national français exposant des œuvres dart et des objets anthropologiques dans sa collection permanente et proposant de nombreuses expositions temporaires sur le vaste sujet des migrations. Le site le palais de la Porte-Dorée dans lest parisien a déjà vécu une histoire mouvementée et contestée avant louverture de ce musée. Construit pour la grande Exposition coloniale internationale de 1931, il a ensuite abrité plusieurs institutions, parmi elles notamment le Musée des Colonies, le Musée des Arts africains et océaniens et le Musée national des Arts dAfrique et dOcéanie.
Dass seitdem viele weitere Familienmitglieder dort Eingang gefunden haben, verdeutlichen sowohl ein Besuch des Museums als auch die Lektüre einer begleitenden Publikation. Und eben auch ein 2014 vom Museum veröffentlichtes Video mit dem Titel La nouvelle Galerie des dons, in welchem neben der Kuratorin Hélène du Mazaubrun auch zwei der Spender von Ausstellungsstücken aus Familienbeständen, François Cavanna und Sacko Fousseni, das Wort haben (http://www.histoire-immigration.fr/agenda/2014-03/la-nouvelle-galerie-des-dons). Offensichtlich wird hier Privates öffentlich und die jeweiligen Familiengeschichten können vor dem Hintergrund einer weiter gefassten Einwanderungsgeschichte Frankreichs gesehen, gelesen, gehört und somit geteilt und nachempfunden werden.
Die Sequenz und ihre Reihe
Auf den ersten Blick eher in dem Themenfeld Immigration/Intégration angesiedelt, kann das Video wie hier der Fall auch in einer in vielen Bundesländern gerade zu Beginn der Sekundarstufe II nicht unüblichen Reihe zu Les jeunes/Les ados zum Einsatz kommen.
Dabei geht das Unterthema La famille une institution sociale? naturgemäß über die Benennung von Verwandtschaftsverhältnissen und die Beschreibung des familiären Alltags hinaus. Stattdessen besteht seine Aufgabe darin, im Namen der Familie gepflegte Rollenzuweisungen und Selbstverständnisse zur Sprache zu bringen und einen besonderen Blick auf Verfahren der Aushandlung individueller und kollektiver Identitäten zu werfen: Familientraditionen, soziokulturelle Teilhabe, Geschlechterverhältnisse etc.
Das Video findet daran sinnvoll Anschluss, indem es „familiäres Imaginäres (der Begriff ist der Publikation Guide de la Galerie des dons entnommen, Gruson 2014, 6) und „materielle Kultur miteinander in Beziehung setzt und als einen wesentlichen Impuls für das Erinnern von Familiengeschichten hervorhebt. Folgerichtig ist in diesem Zusammenhang auch von einer Verschränkung von transmission familiale und quête identitaire (Gruson 2014, 8) sowie einer biographie culturelle des choses (du Mazaubrun 2014, 13) die Rede.
Überaus augenfällig wird dies wohl anlässlich einschlägiger familiärer rites de passage: etwa Geburtstage und...

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