6. – 13. Schuljahr

Ulrike C. Lange

Le français aux quatre coins du monde

Cultures francophones des archipels lointains

Die Beschäftigung mit den französischsprachigen Regionen in Übersee ermöglicht im Unterricht transkulturelles Lernen, fördert die interkulturelle kommunikative Kompetenz und stärkt die Befähigung der Lernenden zu kommunikativem Handeln.

An welche Bilder denken Jugendliche, wenn es um Frankreich und die frankofone Kultur geht? Welche Abbildungen findet man auf Broschüren, die für die Wahl des Faches Französisch werben? Den Eiffelturm, soviel ist sicher, manchmal auch Astérix und einen Mann mit Baskenmütze und Baguette. Ja, Schülerinnen und Schüler dürfen zuerst das Naheliegende der Kultur des Nachbarlandes und privilegierten Partners (zuletzt legitimiert im Aachener Vertrag 2019) kennenlernen.
Aber der Französischunterricht sollte ebenfalls schon von Anfang an zeigen, dass die Sprache nicht nur im Hexagone gesprochen wird und es weltweit vielfältige französischsprachige Kulturen gibt. Französischunterricht muss daher immer bedeuten, nicht nur Frankreich in den Blick zu nehmen, sondern zielkulturell auch über die Metropole hinauszuschauen. Bei weltweit 300 Millionen Französisch sprechenden Menschen auf allen Kontinenten (bei steigender Tendenz: für 2070 zwischen 477 und 747 Mio. frankofone Sprecherinnen und Sprecher vorausgesagt, vgl. OIF 2018) ist das Angebot an frankofoner Kultur groß.
Mehr als das europäische Frankreich
Was für das Fach Spanisch selbstverständlich erscheint, dass die verschiedenen hispanofonen geografischen Räume im Unterricht von Anfang an fest verankert sind, darf ruhig auch noch stärker Einzug halten in unsere Französischstunden. Es ist bedauerlich, dass curriculare Vorgaben zu wenig systematisch die französischsprachige Welt im Blick haben, wie ein Vergleich neuerer Kernlehrpläne (KLP) der Fächer Spanisch und Französisch zeigt: Während im Spanischlehrplan die Zahl der hispanofonen Menschen und die „Mittlerfunktion des Spanischen zwischen Europa sowie Mittel- und Südamerika herausgestellt werden und das Erlernen der Sprache explizit die „spanischsprachige Welt eröffnen soll, (KLP S I, S: 7), hebt der Französischlehrplan vor allem auf die Bedeutung der beiden Partnerländer „für das engere Zusammenwachsen Europas ab (KLP S I, F: 7). Die „Begegnung mit dem gesamten frankofonen Raum wird zwar erwähnt (ebd.), die Vorgaben postulieren für die erste Stufe aber nur „Einblicke in das Leben in Frankreich (KLP S I F: 21) und für die zweite Stufe lediglich „erste Einblicke in das Leben in einer frankofonen Region (ebd. 35). Hier zeigt sich deutlich, dass der Blick auf das Fach Französisch in Deutschland und auch das Selbstverständnis der Lehrkräfte oft rein europäisch ist. Es ist aber bedauerlich, wenn die wichtige Rolle des Französischen in einer globalen Welt nicht explizit und von Anfang an zusätzlich in den Fokus genommen wird, was sicherlich auch dem Fach etwas frischen Wind geben könnte.
Ma grand-mère vient des Antilles
In den Schulbüchern gibt es bei den Lehrwerkfiguren hin und wieder zarte Bezüge, die über die Metropole hinausweisen, etwa durch eine Großmutter von den Antillen oder einen Onkel von La Réunion, was zurecht die Verknüpfung Frankreichs vom Zentrum zur Peripherie mitdenkt. Oft werden auch ab dem zweiten oder dritten Lernjahr und natürlich in der Oberstufe Module zu frankofonen Regionen angeboten, in der Regel didaktisch mit einem landeskundlichen Zugriff, der das soziokulturelle Orientierungswissen in den Blick nimmt. Die französischsprachigen Regionen in Übersee sollten aber immer auch dann eine wichtige Rolle im Unterricht spielen, wenn sie nicht explizit in den Vorgaben genannt werden: Texte aus verschiedenen frankofonen Räumen sollten selbstverständlich ihren Platz in themengebundenen gemischten Dossiers haben, ohne dass sie nur in der landeskundlichen Schublade verschwinden.
Französischsprachige Kultur ,unter Palmen
Fotos von Palmen,...

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